Das Bewusstsein für Klimarisiken hat in den vergangenen Monaten weiter zugenommen. Mit dem Inkrafttreten des FINMA-Rundschreibens zu naturbezogenen Finanzrisiken Anfang 2026 sind auch die Anforderungen an die Finanzinstitute gestiegen. Entsprechend wird das Thema von vielen IAZI-Kunden aktiv bearbeitet und fortlaufend in die Nachhaltigkeitsberichtserstattung integriert. Wie bereits im Newsletter im Juli 2025 aufgezeigt, unterstützen wir diese Entwicklung mit gezielten Aktivitäten.
Marktdaten zeigen steigende Sensibilisierung
Auf Basis des umfangreichen IAZI-Transaktionsdatenpools haben wir für mehrere hunderttausend Handänderungen den Einfluss von Naturgefahrenexponierung auf Immobilienpreise analysiert. In Gebieten mit Hochwasserrisiko finden vergleichsweise viele Transaktionen statt. In lawinen- und felssturzgefährdeten Regionen hingegen ist die Handelsaktivität sehr eingeschränkt. Dennoch lassen sich bei Einfamilienhäusern an exponierten Standorten für alle analysierten Naturgefahren leichte negative Preiseffekte feststellen. Zudem scheinen diese über die Zeit zuzunehmen, was ein Indiz für eine steigende Sensibilisierung darstellt. Mit der medialen Präsenz ist davon auszugehen, dass die Risiken des Klimawandels künftig in der Zahlungsbereitschaft noch stärker reflektiert sein werden. Entsprechend ist eine kontinuierliche und langfristige Überwachung für alle involvierten Akteure entscheidend.
Von der Wesentlichkeitsprüfung zu quantifizierbaren Szenarioanalysen
Seit einiger Zeit wird der Anwender in IAZI-Applikationen im Rahmen einer Einzelobjektbeurteilung standardmässig auf die parzellenspezifischen Naturgefahren hingewiesen. Damit wird sichergestellt, dass Naturgefahren systematisch in die gesamtheitliche Risikobetrachtung einfliessen. Im Bereich der Portfolioüberwachung unterstützen wir seit vielen Jahren zahlreiche Immobilieneigentümer und Hypothekarinstitute mit umfassenden Bewertungs- und Analysedienstleistungen. Diese reichen von der periodischen Marktwertbewertung über regelmässige Energie- und CO₂-Analysen und der Berechnung eines Absenkpfades bis hin zur automatisierten Schätzung von Gebäudeversicherungswerten. Das bestehende Angebot wurde über das letzte Jahr gezielt um Naturgefahren- und Klimarisikoanalysen erweitert, welche effizient und kostengünstig ergänzt werden können.
Dabei stehen zwei Ansätze im Vordergrund: Einerseits kann für die Analyse auf die amtlichen Naturgefahrenkarten zurückgegriffen werden. So lässt sich transparent darstellen, wie viele Objekte eines Portfolios von bestimmten Risiken betroffen sind. Für den Gebäudepark Schweiz zeigt die Abbildung 1 die prozentuale Gefährdung nach Kanton.
Abbildung 1: Anteil Parzellen mit Wohngebäuden in Naturgefahrenzonen (in %)

Darauf aufbauend kann die Wesentlichkeit beurteilt werden, indem für jeden Standort der mit dem IAZI-Modell ermittelte Wiederaufbauwert des Gebäudes mit dem Marktwert oder der ausstehenden Hypothek verglichen wird. Abbildung 2 veranschaulicht exemplarisch, wie sich Objekte mit im Verhältnis geringer Versicherungsdeckung identifizieren lassen, die entsprechend erhöhte Risiken für Eigentümer und Hypothekargeber bergen.
Abbildung 2: Risikoverteilung für Beispielportfolio

Als weitergehenden Ansatz ist eine szenariobasierte Analyse der Risiken mittels Klimamodelle möglich. Dabei kann einerseits die Gefährdung der Liegenschaften in der Zukunft unter verschiedenen Klimaszenarien eingeschätzt werden. Andererseits können potenzielle Schäden unter Berücksichtigung von Vulnerabilitäten quantifiziert werden. IAZI arbeitet hierzu mit etablierten Drittpartnern wie CLIMADA Technologies AG und Zurich Resilience Solutions (Beratungseinheit für Risiko und Resilienz der Zurich Insurance Group) und bringt damit das Bewertungsknowhow mit der fundierten Expertise zu Klimarisiken zusammen. Demnächst geben wir einen detaillierten Einblick zu den Erkenntnissen aus erfolgreichen Kundenprojekten.
Roadmap
Die Weiterentwicklung unseres Naturgefahrenangebots bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Roadmap. Die Integration amtlicher Gefahrendaten in das IAZI HypoCockpit ist bereits erfolgt und in einem nächsten Schritt planen wir die Erweiterung um die Visualisierung von Szenariodaten.
Darüber hinaus bauen wir unser Schulungsangebot weiter aus: Im Rahmen des E-Learning-Programms «Nachhaltigkeit für Immobilien» wird 2026 ein neues Video zu Natur- und Klimarisiken veröffentlicht. Dabei legen wir einen besonderen Fokus auf Transitionsrisiken im Kontext der FINMA-Anforderungen.
Autoren
Autor/in
Simon Hurst
Senior Consultant
simon.hurst@iazi.ch